Wie werde ich Neurologe?

Als Neurologe betreust Du Patienten mit unterschiedlichen körperlichen und psychischen Erkrankungen, die von Störungen im Gehirn sowie des Nervensystems herrühren. Häufig behandelst Du dabei die Auswirkungen von Parkinson, chronische Rückenschmerzen oder die körperlichen Beeinträchtigungen nach Schlaganfällen. Möchtest Du Neurologe werden, belegst Du zunächst ein etwa 12‑semestriges Medizin oder Humanmedizin Studium. Du lernst die einzelnen Bereiche wie die Chirurgie oder Dermatologie kennen und sammelst erste Praxiserfahrung mithilfe von verschiedenen Praktika. Danach absolvierst Du eine 5-jährige Ausbildung zum Facharzt für Neurologie. Hier eignest Du Dir nicht nur die theoretischen Grundlagen der Disziplin an, sondern behandelst als Assistenzarzt auch schon Patienten.

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Als ausgebildeter Neurologe kannst Du Dich beispielsweise selbstständig machen und Deine eigene Praxis eröffnen. Wie Dein Arbeitsalltag in diesem Fall aussehen könnte, erfährst Du im Folgenden:

07:30 Uhr

Du erreichst Deine Arztpraxis und besprichst mit Deinen Mitarbeitern den Tag. Da Du bald in Deinen Jahresurlaub gehst, haben sich heute und für die nächsten Tage besonders viele Patienten angemeldet.

08:00 Uhr

Als erstes betritt ein junger Mann Dein Arztzimmer, der Dich zum ersten Mal aufsucht. Er befindet sich zur Zeit in einer psychotherapeutischen Behandlung und klagt über massive Lust- sowie Antriebslosigkeit. Sein Studium steht daher auf der Kippe. Nach einer kurzen Untersuchung verschreibst Du ihm ein schwach dosiertes Antidepressivum und klärst ihn ausführlich über die Einnahme sowie mögliche Nebenwirkungen auf.

09:10 Uhr

Eine Frau mittleren Alters tritt ein. Du betreust sie seit Längerem wegen ihrer Epilepsie. Mehrere Mittel haben bei ihr bisher nicht angeschlagen und die Zahl ihrer Anfälle nicht verringern können. Du empfiehlst ihr daher einen Spezialisten, der mit ihr über die Möglichkeiten einer Operation sprechen soll.

09:55 Uhr

Nun berätst Du einen älteren Herrn, dem Du vor einer Weile ein Medikament gegen seine Depression verschrieben hast. Die Einnahme der Arznei hat bei ihm nach einigen Tagen zu wiederkehrenden Magenschmerzen und Übelkeit geführt. Du änderst seine Medikation auf ein schwächeres Präparat und rätst ihm, je nach Bedarf mehr oder weniger Tabletten einzunehmen.

10:40 Uhr

Als nächstes behandelst Du eine Dame im fortgeschrittenen Alter, die mit starkem Zittern zu kämpfen hat. Du schaust Dir ihre zuckenden Hände an, prüfst ihre Reflexe mit einem entsprechenden Hämmerchen sowie die allgemeine Beweglichkeit von Armen und Beinen. Da einige Anzeichen für Parkinson sprechen, stellst Du eine Überweisung ins Krankenhaus aus, um dort eine Kernspintomografie durchführen zu lassen.

14:00 Uhr

Nach der Mittagspause nimmt eine Mutter mit ihrer Tochter an Deinem Schreibtisch Platz. Das kleine Mädchen leidet unter starken, unregelmäßigen Migräneattacken. Um den genauen Erkrankungstyp festzustellen, soll sie in den nächsten Wochen ein Kopfschmerztagebuch führen und die Häufigkeit, Länge sowie mögliche Auslöser der Beschwerden niederschreiben. Außerdem legst Du der besorgten Mutter nahe, ein niedrig dosiertes Schmerzmittel in der Apotheke zu kaufen.

15:30 Uhr

Der nächste Patient leidet seit einigen Wochen unter Rückenschmerzen, die auch in die Knie ausstrahlen. Du nimmst eine ausführliche neurologische Untersuchung vor, um einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Dazu kontrollierst Du mögliche Lähmungserscheinungen der Muskulatur. Um zu überprüfen, ob die Nervenbahnen beeinträchtigt sind, sendest Du über Elektroden kleine elektrische Impulse durch den Körper. Da diese Messung keine Auffälligkeiten zeigt, kannst Du eine schwere Verletzung ausschließen.

17:05 Uhr

Gegen Ende des Nachmittags besucht Dich eine junge Frau, die vor zwei Jahren an Multiple Sklerose erkrankt ist. Bis dato spricht ihr Körper sehr gut auf die Kortisonbehandlung an. Du stellst ihr ein weiteres Rezept aus und entlässt sie mit der Aufforderung, sich im Falle einer Verschlechterung noch vor dem nächsten Kontrolltermin bei Dir zu melden.

18:00 Uhr

Du begibst Dich zum Empfang und führst ein abschließendes Gespräch mit Deinen Arzthelfern. Dabei unterschreibst Du noch diverse Dokumente und verlässt danach Deine Praxis.

Voraussetzungen

  • Allgemeine Hochschulreife
  • Empathie
  • Geduld
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Gute Menschenkenntnis

Was macht ein Neurologe?

Ob in einer Universitätsklinik, einem Krankenhaus oder in Deiner eigenen Praxis - als Neurologe behandelst Du alle kranken Menschen, deren Probleme sich auf Beeinträchtigungen des Nervensystems, Gehirns oder Rückenmarks zurückführen lassen. Wenn ein Patient das erste Mal zu Dir kommt, führst Du eingangs die sogenannte Anamnese durch. Dazu informierst Du Dich mit gezielten Fragen über dessen allgemeine Krankheitsgeschichte sowie spezielle Vorerkrankungen, die Dein Fachgebiet betreffen. Im Anschluss lenkst Du das Gespräch auf die aktuellen Beschwerden des Leidenden. So sammelst Du erste wichtige und hilfreiche Anhaltspunkte für die darauffolgende Untersuchung sowie die abschließende Diagnose.
Bei der neurologischen Begutachtung des Patienten greifst Du je nach Erkrankung auf verschiedene Methoden zurück. Um Lähmungen beispielsweise als Folge von Schlaganfällen festzustellen, lässt Du den Erkrankten verschiedene motorische Aufgaben bewältigen wie auf einem Bein zu stehen, sich um die eigene Achse zu drehen oder Fingerübungen mit geschlossenen Augen auszuführen. Mit einem Reflexhammer schlägst Du leicht auf eine Sehne des Bizeps, Trizeps oder des Knies, um das erwartungsgemäße Zucken des Muskels zu kontrollieren. Bei Verdacht auf Demenz arbeitest Du darüber hinaus mit Gedächtnistests, die Dir helfen, die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu beurteilen. Zusätzlich stehen Dir diverse technische Verfahren zur Verfügung. Mit einer Elektromyografie (EMG) misst Du zum Beispiel den elektrischen Reiz, den das Gehirn in die Muskeln leitet, die der Mensch gerade anspannen möchte. Auf diese Weise ermittelst Du, ob eine muskuläre Störung oder eine Fehlfunktion der beteiligten Nerven vorliegt. Außerdem kannst Du mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) Epilepsien aufspüren, indem Du die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnest und auf Unregelmäßigkeiten prüfst.
Gerade als Inhaber einer eigenen Praxis kommen auch einige typische unternehmerische Pflichten auf Dich zu. Dazu gehört unter anderem die Führung Deines Personals, das Dir zuarbeitet und viele organisatorische Aufgaben von der Terminvergabe bis zur Buchhaltung abnimmt. Darüber hinaus besteht für Dich als Arzt Dokumentationspflicht, das heißt Du musst die angewendete Behandlung Deiner Patienten schriftlich festhalten. Dies ist zum einen wichtig, weil Du diese Informationen zur Kenntnisnahme an den Hausarzt der betreffenden Person sendest. Zum anderen helfen Dir die niedergeschriebenen Daten und Fakten dabei, die erbrachten Leistungen bei gesetzlich Versicherten quartalsweise mit der Kassenärztlichen Vereinigung abzurechnen. Privatversicherte erhalten wiederum direkt eine Rechnung von Dir.

Wie sind die Berufsaussichten?

Hast Du das Studium und die mehrjährige Ausbildung erfolgreich durchlaufen, stehen Deine Chancen auf einen Job gut bis sehr gut. Durch die Überalterung der Gesellschaft steigt der Bedarf nach medizinischem Fachpersonal in den nächsten Jahren stetig. Typische Behandlungsfälle des Neurologen wie Demenz, Schlaganfälle und Parkinson nehmen dementsprechend auch zu. Ferner entwickelt sich die Neurologie als Disziplin rasant weiter, sodass deutlich mehr Krankheiten von Fachexperten therapierbar sind als noch vor einigen Jahren.

Welche Eigenschaften sollte ich mitbringen?

  • Analytische Fähigkeiten
    9/10
  • Belastungsfähigkeit
    8/10
  • Naturwissenschaftliches Verständnis
    9/10
  • Kommunikationsstärke
    7/10
  • Sozialkompetenz
    8/10

Welche Spezialisierungen gibt es?

Während Dir als Neurologe in Deiner eigenen Praxis verschiedene Krankheitsbilder begegnen, kannst Du Dich in einem Krankenhaus einer sogenannten Stroke Unit, zu deutsch Schlaganfalleinheit, anschließen. Diese besteht aus einem Team von Ärzten, darunter Neurologen, Internisten, Radiologen, aber auch anderem Fachpersonal wie Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten. Auf der eigens dafür eingerichteten Station behandelst Du Notfälle, die unter den unmittelbaren Folgen eines Schlaganfalls leiden. Mit einer Untersuchung per Computertomographie (CT) beziehungsweise Magnetresonanztomographie (MRT) scannst Du das Gehirn der Patienten, um die Ursache für den Infarkt wie Durchblutungsstörungen oder Hirnblutungen festzustellen. Im Zuge der frühzeitigen und schrittweise erfolgenden Rehabilitation prüfst Du die Reflexe, die Koordination, das Gedächtnis sowie das Sprach- und Orientierungsvermögen des Erkrankten.

Besonderheiten

  • Zulassung nur über ein Studium und eine zusätzliche Fachausbildung
  • Schicht- und Notfalldienst in Krankenhäusern
  • Beginn der Doktorarbeit während des Studiums
  • Deutschlandweit freie Stellen verfügbar

Videos zum Beruf

Wusstest Du schon, dass ...

  • ...weltweit jedes Jahr etwa 6 Millionen Menschen an einem Schlaganfall sterben?
  • ...Neurologen und andere Fachärzte in Krankenhäusern sogenannte Stroke Units bilden, um Schlaganfallpatienten schnellstmöglich zu versorgen?

Diese Promis haben auch Medizin studiert

Was spricht für den Beruf

  1. Erhöhter Bedarf an Fachärzten durch Überalterung der Gesellschaft
  2. Sehr gute Verdienstaussichten
  3. Aufstiegsmöglichkeiten in medizinischen Einrichtungen

Was spricht gegen den Beruf

  1. Lange Studien- und Ausbildungszeit nötig, um den Beruf ausüben zu können
  2. Überstunden & Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern und Kliniken

Aktuelle Gehälter

Datum Abschluss Karrierestufe Berufserfahrung Std. Gehalt
11.04.2018 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 3 - 5 Jahre 29 5.100 €
10.04.2018 Staatsexamen Geschäftsführer 6 - 10 Jahre 33 8.777 €
14.03.2018 Staatsexamen Geschäftsführer 16 - 20 Jahre 27 7.772 €
04.02.2018 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 6 - 10 Jahre 19 2.079 €
08.01.2018 Staatsexamen Freiberufler (selbstständig) über 25 Jahre 22 4.339 €
24.12.2017 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 3 - 5 Jahre 22 4.034 €
21.12.2017 Staatsexamen Führungskraft 3 - 5 Jahre 38.5 6.100 €
28.11.2017 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 3 - 5 Jahre 28 3.624 €
26.11.2017 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 3 - 5 Jahre 21 3.268 €
30.10.2017 Staatsexamen Mit Berufserfahrung 6 - 10 Jahre 30 3.300 €
Die hier angegebenen Gehälter setzen sich aus Gehaltsangaben von 54 Nutzern zusammen. Wir können keine Garantie dafür übernehmen, dass die Daten im Einzelfall zutreffen. Sollten die Zahlen von Deinen persönlichen Erfahrungen abweichen, kannst Du Dein Einkommen unter „Gehalt eintragen“ einreichen und Berufsinteressierte bei der Karrierewahl unterstützen.

Mit diesen 70 Studiengängen kannst Du Neurologe werden

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Mit diesen 70 Studiengängen kannst Du Neurologe werden

Medizin
Uni Münster (Münster)
Staatsexamen
13 Semester
4.4
96%
Medizin Mannheimer Curriculum
Uni Heidelberg (Mannheim)
Staatsexamen
13 Semester
4.2
100%
Medizin
Uni Göttingen (Göttingen)
Staatsexamen
12 Semester
4.1
100%
Medizin Heidelberger Curriculum
Uni Heidelberg (Heidelberg)
Staatsexamen
13 Semester
4.2
99%
Medizin
RWTH Aachen (Aachen)
Staatsexamen
12 Semester
4.2
98%
Modellstudiengang Medizin
MHB Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (Brandenburg an der Havel, Neuruppin)
Staatsexamen
13 Semester
4.2
98%
Infoprofil
Medizin
Uni Duisburg-Essen (Essen)
Staatsexamen
13 Semester
4.0
100%
Medizin
Uni Jena (Jena)
Staatsexamen
13 Semester
4.0
100%
Humanmedizin
Uni Lübeck (Lübeck)
Staatsexamen
13 Semester
4.0
99%
Humanmedizin
Uni Greifswald (Greifswald)
Staatsexamen
13 Semester
4.0
98%