Geprüfte Bewertung

Ein ausgewogenes Studium, mit kleinen Schwächen

Maschinenbau (B.Sc.)

Geprüfte Bewertung
  • Studieninhalte
    4.0
  • Dozenten
    4.0
  • Lehrveranstaltungen
    3.0
  • Ausstattung
    4.0
  • Organisation
    2.0
  • Bibliothek
    4.0
  • Digitales Studieren
    5.0
  • Gesamtbewertung
    3.7
Ich habe erfolgreich meinen Bachelor in Maschinenbau abgeschlossen und möchte hier ein ausführliches Feedback zum Studiengang geben. :)

Zuerst zur Wahl des Studiengangs: Ich wusste nach meinem Abitur nicht genau, was ich studieren möchte, war aber einem naturwissenschaftlichen bzw. technischen Studiengang nicht abgeneigt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt, als ich mich für das Maschinenbaustudium entschieden habe, noch keine konkrete Vorstellung dafür, was ein Maschinenbauer später beruflich genau machen wird. Allerdings haben mich die Pflichtfächer wie Statik und Mathematik interessiert, sodass ich mich dafür entschieden habe.

Rückblickend betrachtet finde ich, dass die Entscheidung auf jeden Fall gut war. Der Studiengang vermittelt nach meiner Erfahrung eine sehr ausgewogene Ausbildung, sodass ich davon überzeugt bin, dass ein Maschinenbauabsolvent der FAU auch im Berufsleben ein guter Ingenieur wird. Grund dafür ist der sehr strukturierte Aufbau des Studiengangs. In den Grundfächern bekommt man auf jeden Fall das ganze Handwerkzeugs vermittelt, dass man später für die spezifischen Fächer braucht.

Gleich zu Beginn des Studiums wird wie bei jedem anderen technischen Studiengang erstmal kräftig ausgesiebt. Dadurch sind Durchfallquoten von ~70 % in "Statik, Elastostatik und Festigkeitslehre" keine Seltenheit. Auch das erste Mathefach scheint vielen Studenten schwer zu fallen, da es meist die erste richtige Prüfung ist und viele keine ausreichende Vorbereitung haben.

Im Grunde sind alle Fächer gut machbar, solange man diszipliniert dran bleibt und eine ausreichende Vorbereitung einkalkuliert. Anders wie in vielen anderen technischen Studiengängen, ist selbst in den höheren Semestern, wenn die "Sieb-Klausuren" eigentlich vorbei sind, noch einige harte Brocken, die auf einen warten. Dazu gehören beispielsweise Maschinenelemente 1&2, Elektrotechnik und vor allem Thermodynamik, was ich als größte Nuss im gesamten Studium empfand. Das sollte jedoch die Interessierten nicht abschrecken, da man mit genug Aufwand auch diese Fächer meistert.

Wie ich bereits erwähnte, bin ich mit den meisten Pflichtfächern sehr zufrieden gewesen. Auch die sehr anspruchsvollen KoPra und KÜ1 helfen einem dabei, das Teamwork zu verbessern und stellen eine sehr gute Übung für die Konstruktion dar.

Während der Praktika hätte ich diese Formulierung vielleicht nicht so gewählt, da man vor allem in Konstruktionsübung 1 und KoPra sehr viel Stress hat und bei einigen Betreuern keine klare Linie gefahren wird (vor allem bei den Konstruktionsrichtlinien gibt es einen riesigen Graubereich, was ich sehr schade empfinde, da so der didaktische Wert etwas verloren geht, wenn etwas bei einem Betreuer richtig ist und beim anderen falsch ist). Bei KoPra war zusätzlich noch eine Schwierigkeit, wie man mit anderen Studierenden unter Stress klarkommt. Dort formt man Teams von bis zu 8-10 Leuten, die teils unterschiedliche Studienrichtungen haben. Und dann muss man als Team arbeiten, was nicht immer leicht fällt, weil jeder seine eigene Idee von der Zusammarbeit hat. Ich denke, im späteren Leben ist es auch so, daher ist es aber wie gesagt eine gute Übung, die jedoch nicht unterschätzt werden sollte vom Aufwand her.

Besonders am Maschinenbau hat mir gefallen, dass die Fächer so vielseitig sind. So hat man nicht nur die "Maschinenbau-typischen" Kurse, sondern auch "fachfremde" Kurse wie Elektrotechnik und Thermodynamik, die dem Studenten vor allem dabei helfen über den Tellerrand zu schauen und zu verstehen, was zum Beispiel ein Energietechniker oder ein Mechatroniker macht.

Bei den Pflichtfächern gibt es allerdings zwei bis drei Kurse, deren Daseinsberechtigung ich im Kernstudienplan nicht verstehen konnte. Einerseits wäre da "Grundlagen der elektrischen Maschinen", bei dem ich bis heute nicht genau verstanden habe, weshalb es elementar für einen Maschinenbauingenieur sein soll. Außerdem wäre das noch "Optik und optische Technologien", das zwar durchaus interessante Ansätze hat, aber für mich viel zu spezifisch ist, als dass es im Kernstudienplan vertreten sein sollte. Natürlich spielen Laser eine wichtige Rolle, aber dafür gibt es bekanntlich eigene Kurse. Im Fach Produktionstechnik wird beispielsweise dazu auch eine Menge an Wissen vermittelt (das Fach könnte man auch problemlos als 7,5 ECTS werten), sodass ich nicht als Pflichtfach, sondern höchstens als technisches Wahlfach sehen würde. Auch das Praktikum FTP1 hat einen Versuch beim LPT - daher kennt sich meiner Meinung nach ein Maschinenbauer, der kein WPF aus dieser Richtung wählt, trotzdem gut genug aus um zu wissen, wie Laser funktionieren, aufgebaut sind und worauf es bei ihnen ankommt.

Bei "betrieblichen Rechnungswesen" kann man natürlich darüber streiten, ob man als Maschinenbauingenieur nicht eine gewissen Grundkompetenz in dem Bereich erworben haben sollte. Hier wäre mein Gedanke, dass das Fach "BWL für Ingenieure" schon viele elementare Grundlagen abdeckt, die man können muss, wenn man mit diesem Bereich etwas zu tun haben möchte. Als Mechatroniker oder Energietechniker hat man beispielsweise dieses Fach nicht, auch wenn der Maschinenbauer natürlich etwas "allgemeiner" ist und durch seinen großen Überblick das Fach theoretisch gerechtfertigt wird.

Im Gegensatz dazu habe ich ein paar Fächer vermisst, die an vielen anderen Unis im Maschinenbaustudium vermittelt werden. Da wäre zum Beispiel das Fach Strömungsmechanik, das dank Dr. Wierschem so gut aufgebaut ist, dass es durchaus eine Bereicherung für das Maschinenbaustudium wäre. Für mich gehört die Strömungsmechanik zu den erweiterten Grundlagen der technischen Physik, die nicht weiter entfernt zum Maschinenbaustudium liegt als beispielsweise Elektrotechnik, was wiederum ein Pflichtfach ist. Des Weiteren habe ich sehnlichst das Fach "Regelungstechnik" vermisst, das im Gegensatz zu GdM eine wirklich nützliche Komponente zum Elektrotechnik-Bereich gewesen wäre.

Bezüglich der Qualität der Vorlesungen gilt wie für alle Universitäten, dass diese stark vom jeweiligen Professor abhängt. Bei manchen Dozenten sind die Vorlesungen das Highlight, bei anderen kann man sich die sparen, weil der Prof vielleicht nett ist, aber sehr einschläfernd doziert oder einfach nichts relevantes dort behandelt. Wichtig ist in jedem Fach eigentlich nur, dass man die Übungen besucht und die Tutorien macht. So hat man eine gute Basis für die Klausur.

Ein großes Minus hat die Organisation. Manchmal hat derselbe Lehrstuhl zwei ergänzbare Lehrverstanstaltungen zeitgleich, die Klausurplanung ist leider nicht sehr gut, oft sind Prüfungen, die für dasselbe Semester vorgesehen sind, innerhalb von 1-3 Tagen.

Auch wenn ich die Mensa und die Bibliothek (zum Sitzen und Lernen) nicht wirklich aktiv genutzt habe, kann ich über diese sehr gut sprechen. Das Essen schmeckt gut, ist nahrhaft und keinesfalls "jail food". Die Bibliothek hat viele Bücher und Sitzmöglichkeiten, sieht einladend aus und zum Ausleihen gibt es ebenfalls viel. Hier habe ich gerade bei der Recherche für meine Abschlussarbeit gute Erfahrung gemacht.

Auch wenn das Design der Uni wohl am wenigsten zu einem guten Studium beiträgt, möchte ich auch darauf noch einmal eingehen. Auch wenn das hauptsächlich im pragmatischen Plattenbau ist, habe ich dort doch einen gewissen Charme entdeckt. Ich gehe immer stolz und glücklich in die Uni und schäme mich nicht, wenn ich in so ein Gebäude gehe. Da gibt es meiner Meinung nach viel schlechtere Beispiele. Allerdings ist der Baustil der 70er nicht Jedermanns Geschmack. Die Labore sind von der Einrichtung her gut und die meisten Hörsäle sind ebenfalls so gut ausgestattet, dass man ohne Schikane sie nutzen kann. Am meisten gefällt mir jedoch die Lage. Man kann mit dem Fahrrad aus Erlangen oder Nürnberg gut anreisen, es ist nah am Wald gelegen, viel Natur, Erlangen ist eine schöne ruhige Stadt. Gerade einige Lehrstühle sind mehr oder weniger neben (oder gegenüber) von Familienhäusern, ich empfand das immer als beruhigend. :D

Insgesamt bin ich auf jeden Fall zufrieden mit dem Studium. Durch die ausgewogenen Studieninhalte bleiben selbst anfangs unentschlossenen Studenten für den Master alle Türe offen, wenn sie erst während des Bachelorstudiums ihre Wunsch-Fachrichtung für sich entdecken (so erging es mir). Egal ob Mechatronik, Medizintechnik oder an einer anderen Universität Luft- und Raumfahrtingenieurwesen, kann man im Grunde sehr viel mit einem Bachelor in Maschinenbau machen (und natürlich im MB bleiben ;)).

Ich empfehle auch jedem unentschlossenen, aber interessierten Leser, hier an der FAU ein MB-Studium zu machen.
  • Ausgewogenes Studium, Nähe zur Großstadt, gute Einrichtung, gute Studieninhalte
  • Schlechte Organisation, ein paar fragwürdige Kurse im Kernstudienplan, einige Vorlesungen lohnen sich nicht

Tobi hat 16 Fragen aus unserer Umfrage beantwortet

Verglichen wird die Aussage des Rezensenten mit den Angaben der Kommilitonen des Studiengangs.
  • Wie gut ist die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln?
    Um Bus und Bahn zu erreichen, muss ich weit laufen.
  • Gibt es ausreichend Sitzplätze in den Hörsälen?
    Ich habe nie ein Problem damit, einen Sitzplatz im Hörsaal zu finden.
  • Kannst Du Klausurnoten online einsehen?
    Meine Klausurnoten kann ich online einsehen.
  • Wie schön ist der Campus?
    Ich finde unseren Campus sehr schön.
  • Wie kommst Du mit Deinen Kommilitonen zurecht?
    Ich habe hier meine Leute gefunden, mit denen ich gut zurecht komme.
  • Wo wohnst Du?
    Ich wohne bei meinen Eltern zuhause.
  • Wie empfindest Du die Notenvergabe?
    Ich empfinde die Notenvergabe als stets gerecht.
  • Gibt es eine Anwesenheitspflicht?
    In manchen Kursen habe ich eine Anwesenheitspflicht.
  • Fühlst Du Dich während Deines Studiums gut betreut?
    Für mich ist die Betreuung während des Studiums ok.
  • Ist die Studiengangsleitung gut erreichbar?
    Die Erreichbarkeit der Studiengangsleitung berurteile ich mittelmäßig.
  • Ist die Regelstudienzeit realistisch bemessen?
    Für mich ist die Regelstudienzeit nur mit Hilfe einer Zeitmaschine einzuhalten.
  • Würdest Du diesen Studiengang nochmal wählen, wenn Du eine Zeitmaschine hättest?
    Ich würde diesen Studiengang nochmal wählen, wenn ich eine Zeitmaschine hätte.
  • Bist Du Vegetarier oder Veganer?
    Ich bin kein Vegetarier oder Veganer.
  • Fährst Du in den Semesterferien in den Urlaub?
    In den Semesterferien fahre ich nicht in den Urlaub.
  • Wie beurteilst Du die Erreichbarkeit Deiner Dozenten?
    Meine Dozenten kann ich sehr gut erreichen.
  • Wann fängst Du meistens mit dem Lernen für Klausuren an?
    Meistens fange ich mindestens 3-4 Wochen vorher mit dem Lernen für Klausuren an.
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Aktuelle Bewertungen zum Studiengang

4.0
Fassassy , 14.10.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
4.0
Teo , 02.10.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
4.1
Leon , 16.07.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
4.4
Maximilian , 16.07.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
3.9
Michael , 14.07.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
3.1
Kai , 17.05.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
3.7
Arthur , 18.02.2021 - Maschinenbau (B.Sc.)
3.6
Luca , 14.12.2020 - Maschinenbau (B.Sc.)
4.0
Ömeralp , 02.10.2020 - Maschinenbau (B.Sc.)
3.6
Jonas , 01.10.2020 - Maschinenbau (B.Sc.)

Über Tobi

  • Alter: 24-26
  • Geschlecht: Männlich
  • Abschluss: Ja
  • Studiendauer: 9 Semester
  • Studienbeginn: 2016
  • Studienform: Vollzeitstudium
  • Standort: Standort Erlangen
  • Schulabschluss: Abitur
  • Weiterempfehlung: Ja
  • Geschrieben am: 12.07.2021