Zugegeben: StudyCheck liefert nicht das einzige Ranking zu Studiengängen und Hochschulen in Deutschland. Auch das prominente CHE Ranking will Studieninteressierten bei der Orientierung helfen. Allerdings funktioniert das CHE Ranking anders als StudyCheck. Dort könnt ihr zum Beispiel keinen direkten Erfahrungsbericht abgeben. Das CHE Ranking befragt stattdessen mit Fragebögen Studenten und Professoren vor Ort in der Uni und wertet diese statistisch aus. Wir haben uns mal mit der Projektleiterin des CHE Rankings unterhalten, um herauszufinden, wie das CHE Ranking genau funktioniert und was es von StudyCheck.de unterscheidet.

Frau Giebisch, Sie sind Projektleiterin des CHE Rankings. Welche Organisation steckt eigentlich hinter diesem Ranking?

Petra Giebisch

Verantwortlich für das CHE Ranking ist das gemeinnützige CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh, das 1994 von der Bertelsmann Stiftung und der Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gegründet wurde.

Für wen erstellen Sie das CHE Ranking und wie können Interessierte das Ranking abrufen?

Das CHE Ranking richtet sich an Schüler, Studieninteressierte und deren Eltern, Lehrer, Studienberater und auch Studierende. Die Ergebnisse stehen im Internet sehr detailliert und kostenlos allen zur Verfügung unter www.zeit.de/ranking. Auszüge aus diesen Ergebnissen erscheinen jeweils im Mai im Sonderheft ZEIT Studienführer.

Wie aufwendig ist es, das CHE Ranking zu erstellen und wie gehen Sie dabei vor? Wie oft werden die Daten aktualisiert?

Ein Grundprinzip des CHE Rankings ist es, unterschiedliche Blickwinkel in die Informationen zu bringen. Dies bedeutet, dass wir nicht nur die Rahmenbedingungen für Studium und Lehre aus Sicht der Studierenden betrachten, sondern Fakten wie beispielsweise die Zahl der Studierenden von den Fakultäten erfragen. Professorinnen und Professoren fragen wir etwa, welche Fähigkeiten und Voraussetzungen Studierende für ein Studium in diesem Fach mitbringen sollten. Somit entsteht aus unterschiedlichen Quellen ein breites Set von bis zu 30 gerankten Kriterien. Wir arbeiten bei der Datenerhebung mit den einzelnen Hochschulen und jährlich rund 700 Fachbereichen zusammen. Da diese Art der Datenerhebung für die teilnehmenden Hochschulen sehr aufwendig ist, werden die Daten in einem Drei-Jahres-Rhythmus aktualisiert, jährlich wird somit ca. ein Drittel der im Ranking vertretenen Fächer untersucht.

Wie unterscheidet sich die Herangehensweise des CHE von einem Bewertungsportal wie StudyCheck.de?

Das CHE führt systematische, wissenschaftlich fundierte Untersuchungen durch, in die alle Universitäten, Fakultäten, Fachbereiche und Studiengänge einbezogen sind, die die zu untersuchenden Fächer anbieten. Die Datenerhebung und Auswertung liegt beim CHE. Die hierzu entwickelten Fragestellungen und Untersuchungskriterien werden jährlich unter Einbeziehung von Experten der zu untersuchenden Fächer aktualisiert und sind für die jeweiligen Fächer standardisiert. Dies ermöglicht vergleichende Aussagen innerhalb eines Faches. Natürlich werden auch Studierende befragt. Anders als bei einem Bewertungsportal wie StudyCheck werden sie aber persönlich angeschrieben und schriftlich aufgefordert, sich an der Befragung zu beteiligen.

Das CHE Ranking berücksichtigt auch die Forschungsleistung der Hochschule. Ist das für Studenten und Studieninteressierte überhaupt relevant?

Dies wird je nach Fach ganz unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Fächer im CHE Ranking, die Forschung und Lehre unbedingt als eine Einheit ansehen und großen Wert darauf legen, dass auch Kriterien zur Forschung im Ranking abgebildet werden. Andere Fächer legen den Schwerpunkt auf die Interessen der Anfänger im Bachelorstudium, Forschungskriterien spielen hier eine geringere Rolle für die Studienorientierung. Zudem kann beim CHE Ranking ja jeder einzelne User wählen, welche Indikatoren und Kriterien für ihn besonders relevant sind. Im Gegensatz zu anderen Rankings gibt es beim CHE Ranking ja eben keine feste Rangliste, sondern die Nutzer wählen aus, welche Kriterien für sie wichtig sind, um die für sie passende Hochschule zu finden.

Warum befragen Sie für das CHE Ranking auch Professoren?

Im CHE Ranking sollen Aspekte aus unterschiedlichen Blickwinkeln erhoben werden, da stellen Professorinnen und Professoren eine bedeutsame Gruppe an Hochschulen dar. Aktuell befragen wir sie, welche Fähigkeiten und Voraussetzungen Studieninteressierte für das Studium ihres Faches mitbringen sollen. Diese variieren zwischen den Fächern sehr stark.

Im CHE Ranking sind vor allem die klassischen, großen Studiengänge vertreten. Was ist mit kleineren Nischen- und Orchideenfächern?

Mit den im Ranking vertretenen Fächern decken wir die Informationsinteressen von 75 Prozent der Studienanfänger ab. Auf kleine Fächer lässt sich zum einen die Methodik des CHE Rankings nicht anwenden, zum anderen erreichen wir in der Studierendenbefragung zu wenig Studierende, um zuverlässige Ergebnisse ausweisen zu können.

Warum nehmen manche Hochschulen oder Fachbereiche nicht mehr am Ranking teil?

Dies kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Wenn sich beispielsweise ein Fachbereich in einer organisatorischen Umbruchphase befindet, kann es sein, dass er aktuell nicht in den Vergleich einbezogen werden möchte. Es kann auch sein, dass Hochschulen oder Fachbereiche generell nicht an vergleichenden Untersuchungen teilnehmen. Und dann gibt es auch immer Fachbereiche, die Vorbehalte gegenüber der zugrunde liegenden Methodik haben. Wenn wir mit diesen Fachbereichen in einen konstruktiven Dialog einsteigen, können wir die meisten von der Seriosität und Transparenz der Vorgehensweise überzeugen.

Was halten Sie eigentlich von StudyCheck.de?

StudyCheck.de mit seinen subjektiven Bewertungen in Echtzeit funktioniert nach einem ganz anderen Prinzip als das CHE Ranking. Die Stimmen der Studierenden auf StudyCheck.de stellen eine gute Ergänzung zu den statistischen Aussagen des CHE Rankings dar. Positiv zu bewerten ist auf jeden Fall, dass StudyCheck.de verdächtige Erfahrungsberichte nur gegen Vorlage einer aktuellen Studienbescheinigung veröffentlicht. Ich denke, jedes Angebot, das Studieninteressierten bei der schwierigen Wahl der für sie passenden Hochschule hilft, ist eine gute Sache.

Vielen Dank für das Gespräch!

Diese Tabelle stellt die verschiedenen Herangehensweisen noch mal übersichtlich gegenüber:

 StudyCheck.deCHE Ranking
Was ist die Methodik?Bewertungen von Studenten und Absolventen auf dem Portal, aus denen ein Ranking generiert wird.Schriftliche Befragungen, um fachspezifisch beschreibende und vergleichende Aussagen über Fachbereiche und Studiengänge treffen zu können. Vergleichende Aussagen werden einer Spitzen-, Mittel- oder Schlussgruppe zugeordnet.
Wie viele Hochschulen sind vertreten?Insgesamt können 490 Hochschulen bewertet werden.403 Hochschulstandorte
Wie viele Studiengänge sind vertreten?Insgesamt können 14.525 Studiengänge bewertet werden.Ca. 9.500 Bachelor-, Master und Staatsexamensstudiengänge aus 37 Fächern
Woher kommen die Informationen?Direktes Feedback aktueller und ehemaliger Studenten
  • Erhebung von Fakten bei Hochschulen, Fachbereichen, Instituten
  • Auswertung von Publikationsdatenbanken
  • Auswertung öffentlich verfügbarer Statistiken
  • Befragung von Studierenden
  • Befragung von Professoren
  • In einigen Fächern auch Befragung von Absolventen
Ist das Portal kostenlos?jaja
Wie oft werden die Ergebnisse aktualisiert?Laufend: Mit jedem Erfahrungsbericht werden automatisch ein neues Ranking und eine neue Gesamtnote der Hochschule und des Studiengangs generiert.Jährlich wird ein Drittel der einbezogenen Fächer aktualisiert. Beschreibende Kriterien können online jederzeit aktualisiert werden.
Seit wann gibt es das Angebot?März 2013Mai 1998
Wonach kann man als User die Ergebnisse sortieren?Hochschulen und Studiengänge lassen sich nach Beliebtheit, Anzahl der Erfahrungsberichte, Weiterempfehlungsrate und der Gesamtnote sortieren. Die Studiengänge lassen sich zudem nach Fachbereich, Standort und Abschluss eingrenzen.Die Informationen sind immer fachbezogen und nach Hochschulart getrennt dargestellt. In einer Übersicht können bis zu sechs gerankte Kriterien nebeneinandergestellt werden, die Kriterien können nach den Interessen des Users zusammengestellt und ausgetauscht werden. Die Ergebnisse werden nach Ranggruppen oder alphabetisch nach Studienort angezeigt.
Wie ist das Bewertungssystem?In ihrer Bewertung vergeben die Rezensenten Sterne auf einer Skala von 1 bis 5 in verschiedenen Kategorien. Zusätzlich entscheiden sie über die Weiterempfehlung des Studiengangs und verfassen einen persönlichen Erfahrungsbericht. Aus den veröffentlichten Bewertungen ergibt sich das Ranking.Die zahlreichen profilbeschreibenden Merkmale bleiben ohne Bewertung durch das CHE. Die vergleichenden Merkmale sind nicht in einer Rangliste abgebildet, es gibt keinen ersten, zweiten oder 28. Platz, sondern die Spitzen- Mittel- und Schlussgruppe. Die Ergebnisse aller Kriterien werden separat ausgewiesen, es gibt keine Gesamtbewertung einer Hochschule oder eines Fachbereichs.