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Geprüfte Bewertung

Mehr Schule als Studium

Psychologie (B.Sc.)

Geprüfte Bewertung
  • Studieninhalte
    4.0
  • Dozenten
    4.0
  • Lehrveranstaltungen
    3.0
  • Ausstattung
    2.0
  • Organisation
    5.0
  • Bibliothek
    3.0
  • Digitales Studieren
    3.0
  • Gesamtbewertung
    3.4
Bisher 8 Semester an der MSH.

Wer grade von der Schule kommt, wird sich hier zuhause fühlen, wer schon mal eine echte Universität von innen gesehen hat, ist möglicherweise etwas irritiert: Die Lehre ist fast völlig verschult, die Stundenpläne fest, Kurswahl außer in den Wahlpflichtkursen ist weder nötig noch möglich. Der hohe Strukturierungsgrad ist vorteilhaft für die Organisation und die Planbarkeit, freie Interessenentfaltung und Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung innerhalb der Lehre fallen aber weg. Dieser Mangel an Individualisierung wird durch das Fehlen eines Campusgeländes und beengter räumlicher Situation unterstrichen, die autonomes Lernen und Weiterbildung in Räumen bzw. dem Dunstkreis der Hochschule kaum ermöglichen. Ein Bürogebäude bleibt ein Bürogebäude, auch wenn man Uni dranschreibt. Das fehlende Gelände, die Enge und das weitgehende Fehlen von Freiräumen, der Mangel an frei verfügbaren Computerarbeitsplätzen und das fehlen einer Mensa - 15 Minuten Fußweg bis zur -vorzüglichen - Mensa der HCU sind in 45 Minuten Mittagspause kaum zu bewältigen - laden nicht zum Verweilen ein. Studentische Beteiligung besteht im Wesentlichen aus einem Zuarbeiten zur Hochschulleitung und Zerstreuungangeboten. Unabhängige Beratung, Engagement für Gleichstellung etc. werden nicht gefördert. Wo wir dabei sind: In 2020 schafft es die MSH immer noch nicht, eine gendergerechte Sprache zu nutzen, was prototypisch für den Grad der Progressivität dieser Einrichtung als Ganzes gesehen werden kann.
Der Geist einer Universität, die Bildung über das Lernen des Stoffes hinaus unterstützt, ist hier insgesamt nicht gegeben, was sicher nicht nur am kurzen Bestehen der Hochschule liegt. Selbstoptimierung, Gewinn und gute Publicity sind offensichtlich wichtiger als der mündige Mensch. Kritik und Dialektik beschränken sich im Wesentlichen auf die Bewertung der methodischen Qualität von empirischen Studien, nicht auf soziale Probleme, politische Implikationen und die Rolle der Wissenschaft in unserer Gesellschaft. Gelegentliche Ringvorlesungen - mit durchaus interessanten Gästen - reißen das leider nicht raus.

Die inhaltlichen Aspekte der Lehre sind hingegen in Bachelor und Master vorzüglich: Die Lehre bewegt sich am Puls der Zeit und wenn im Frühjahr eine Studie publiziert wurde, findet sie sich im Sommer in der Vorlesung. Die Stoffdichte ist hoch, die Aufbereitung der Inhalte meist gelungen, methodische Aspekte der beteiligten Wissenschaften werden immer eingeschlossen. Die Dozierenden sind gut vorbereitet und die Inhalte weitgehend aufeinander abgestimmt. Prüfungsvorbereitungen sind meist sinnvoll aufgebaut. Die vorherrschende Prüfungsform ist die Klausur, Hausarbeiten die Ausnahme. Insgesamt konnte ich im Austausch mit Studierenden anderer Universitäten feststellen, dass wir enorm viel und sehr vertiefend lernen. Für mich der wesentliche Grund, den Master auch hier zu absolvieren. Auf Inhaltsebene ist die Lehre ist ganz weit vorne und die Relevenz und der Realitätsbezug von Forschung werden sehr hervorgehoben.

Was bleibt? Die Bibliothek hat einiges, ersetzt aber keine Universitätsbibliothek. Ein Ausweis für die Universitätsbibliothek Hamburg wird jedoch erstattet. Die Unterstützung durch die Einrichtungen der Hochschule sind vorzüglich, das Studium plant sich quasi von selber. Wer schonmal eine Woche zwischen sieben Anlaufstellen an der Uni Hamburg hin- und hergeschickt wurde, die sich alle nicht zuständig fühlen, weiß das zu schätzen. Die IT Services funktionieren besser als an anderen Unis und die Zentralisierung dieser Services ist sinnvoll umgesetzt.
Die vorlesungsfreie Zeit ist ein Witz. Im Frühjahr und Sommer jeweils knapp 8 Wochen, davon aber jeweils 4 Wochen eng gepackte Prüfungsphase. Wer gute Noten will und vielleicht noch arbeiten muss, kann den nächsten Urlaub besser nach dem Abschluss planen. Die Kehrseite davon ist, dass der Input etwas gestreckt wird.

Viel gemeckert, dennoch würde ich im Sinne einer Berufsausbildung hier wieder studieren. Aber ich bin froh, dass ich an anderen Unis das Denken und Hinterfragen jenseits methodischer Spitzfindigkeiten gelernt und kultiviert habe. Denn: Universität ist das nicht.
Tipp: Weiterführende Informationen zum Studium hier!
  • Lehre umfangreich, qualitativ hochwertig und am Puls der Zeit. Sehr gute Organisation.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und der Rolle der Wissenschaft in dieser Gesellschaft finden hier kaum Platz. Reines Inhaltslernen.

Aktuelle Bewertungen zum Studiengang

4.0
Lorna , 22.12.2020 - Psychologie
4.6
Carina , 21.12.2020 - Psychologie
4.6
Emilia , 17.12.2020 - Psychologie
4.4
Maurice , 04.12.2020 - Psychologie
4.6
Verena , 04.12.2020 - Psychologie
4.0
Anna , 03.12.2020 - Psychologie
3.6
Sarah , 26.11.2020 - Psychologie
4.0
Malou , 24.11.2020 - Psychologie
3.9
Nina , 24.11.2020 - Psychologie
4.7
Luisa , 24.11.2020 - Psychologie

Über Anonym

  • Alter: 33-35
  • Geschlecht: Divers
  • Abschluss: Ich studiere noch
  • Studienbeginn: 2016
  • Studienform: Vollzeitstudium
  • Standort: Am Kaiserkai
  • Weiterempfehlung: Ja
  • Geschrieben am: 18.11.2020