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Geprüfte Bewertung

Untergeordnetes Leichtbaustudium: Nicht mehr als die Summe aller Teile

Materialdesign - Bionik und Photonik (B.Sc.)

Geprüfte Bewertung
  • Studieninhalte
    3.0
  • Dozenten
    4.0
  • Lehrveranstaltungen
    3.0
  • Ausstattung
    4.0
  • Organisation
    3.0
  • Bibliothek
    5.0
  • Digitales Studieren
    4.0
  • Gesamtbewertung
    3.7

VERLAUF UND GESAMTEINDRUCK
Die Professoren mit langjähriger Erfahrung in der Wirtschaft oder angewandten Forschung bieten i.d.R. ein lehrreiches, problem- und sachorientiertes Studium, jenseits der müden Theorie. Durch den neuen Bionik Professor erhalten die vereinzelten Bionik Bezüge (insbesondere Biomaterialien & Werkstoffbionik) seit 2019 eine deutliche inhaltliche Vertiefung.

Die ersten 3 Semester umfassen solide materialwissenschaftliche Grundlagenvorlesungen. Es werden Praktika (Laborversuche) im Bereich Optik, Chemie & Lichttechnik durchgeführt. Ab dem 4. Semester folgen neben ergänzenden Vorlesungen auch Praktika in:
- Werkstoff-/Bauteilprüfung,
- Photonik,
- makromolekulare Chemie,
- Fertigung von Leichtbaustrukturen (Fügetechnik; Entwurf für additiv gefertigtes Bauteil),
- Polymertechnik (Extrusion und Flammschutzadditive)
- Oberflächen- /Werkstoffanalyse

Durch den geforderten Aufwand für Praktika und ggfls. ergänzende Vorlesungen oder schriftliche Übungen erhält der Studiengang insgesamt eine inhaltliche Tendenz zur mechanischen oder chemischen Fügetechnik sowie Polymerchemie. Ingenieursmäßig interessierte Leichtbaustudenten kommen deutlich zu kurz obwohl die sehr guten Lehrgänge für CAD (mit „Solidworks“) sowie Modellbildung/Simulation (u.a. mit „ANSYS“) zumindest einen gewissen Ausgleich bieten. Das Fach „Lichttechnik I“ sollte für Leichtbaustudenten durch einen zusätzlichen Lehrgang in CAD oder Simulation ersetzt werden! Wieso selbst nach der Wahl für den Schwerpunkt Leichtbau Fächer für technische Optik belegt werden müssen, ist mir schleierhaft.

Der größte Schwachpunkt des Studiengangs ist das fehlende ganzheitliche Konzept: Gelegentliche Überschneidungen bestimmter Fächer werden nicht zur interdisziplinären Vertiefung genutzt, sondern sind nur Wiederholungen. Die fehlende Systematik hat bei mir daher nur einen bleibenden Lerneffekt für Einzelfächer hinterlassen. Das Orientierungsmodul während des 3. Semesters bietet im Fach Leichtbau den Höhepunkt an systematischen, materialwissenschaftlichen Gesamtbetrachtungen. So werden u.a. Aspekte der Wärme-, Last-, und Wechselbeständigkeit von Composites direkt in Bezug gesetzt zu deren Zusammensetzung, Herstellung und inneren Struktur. Dementsprechend werden auch die Auslegungskriterien für technische Bauteile/Produkte kritisch diskutiert.

VORLESUNGEN/ KLAUSUREN:
Die Vorbereitung auf die Klausuren wird durch die Offenheit, Gründlichkeit und Ratschläge der Professoren erleichtert! Ein Besuch der Lehrveranstaltungen ist dafür nicht zu ersetzen.
Schätzungsweise 90 Prozent der Abschlussnoten aber werden NUR durch die Klausurnote bestimmt. Ein System für Bonuspunkte durch Vorträge/Präsentationen/Hausarbeiten wurde durch die Hochschule 2019/2020 abgeschafft.
Damit wurden auch Anreize für ernsthaftes, selbstständiges Lernen und den Erwerb von Metakompetenzen durch die Studenten eliminiert, da nun nur noch ein gewisses Niveau zum Erreichen der Testate angestrebt wird.
Ein Alptraum für die Klausurvorbereitung können mitunter einzelne Vorlesungen sein, die mit über 60 Folien und theoretischen Inhalten überfrachtet sind, ohne erkennbaren Gesamtschwerpunkt, relevanten Fragestellungen oder Zielsetzung. In diesen Fällen kann man sich die Vorlesung auch durch die Lektüre der Fachliteratur sparen und muss in Kauf nehmen ganze Seiten auswendig zu lernen.

STANDORT
An dieser MINT Hochschule haben 6 von 9 Masterstudiengängen einen BWL- oder Wirtschaftsingenieurschwerpunkt aber es gibt KEINEN konsekutiven Masterstudiengang für das Fach „Materialdesign: Bionik und Photonik“.

Wer für das Studium (am Campus Lippstadt) umzieht und eine bezahlbare Eigenwohnung bis 40 m² sucht, sollte mindestens 6 Monate Vorlaufzeit einplanen und mit dem ÖPNV auch SCHNELL erreichbare Nachbarorte einbeziehen.

Einige technische Unternehmen im Umkreis sind für Praxissemester/Projekt-/Bachelorarbeiten (P/P/B) nicht mit dem ÖPNV erreichbar. Wer für das Studium eine inhaltliche Ausrichtung zu Bionik, Composites oder dem Leichtbau anstrebt muss für P/P/B wahrscheinlich einen weiteren Umzug in Kauf nehmen, um relevante Unternehmen oder Institutionen zu nutzen. Ich persönlich hatte das Glück anspruchsvolle Forschungsaufgaben für meine P/P/B an der HSHL absolvieren zu können.

RANDNOTIZ
Abgesehen vom Englischunterricht geben die Nebenfächer im Bereich Steuerungskompetenzen dem Studiengang einen unnötigen BWL-Bezug und sollen wohl die inhaltliche Kompatibilität zu den Masterstudiengängen herstellen. Unsinnigerweise wird nicht etwa ein Fach "Wissenschaft und Ethik" unterrichtet, sondern "Unternehmensethik und Compliance". Werden dann im letzten Semester in einem anderen Fach die nicht erforschten Risiken einer technischen Innovation diskutiert und kritische Anmerkungen vom Professor mit der Gegenfrage „Und was sollen wir dagegen machen?“ quittiert, ohne das die Studenten daran etwas auszusetzen haben, zeigt das doch eher die Notwendigkeit einer besseren Sensibilisierung.

  • Fundierte fachliche Ergänzungen und praktische Einordnung der Themen durch die hilfsbereiten Professoren. Materialwissenschaftliches Studium mit Fokus auf Polymerwerkstoffen.
  • Deutlich fehlende Verknüpfung zentraler Studieninhalte zwischen Fächern (bspw. Bionik/konstruktiver Leichtbau/Materialleichtbau). Untergeordnetes Leichtbaustudium.

Bilder des Rezensenten

Kommentar der Hochschule

Lieber Joseph,

zunächst vielen Dank für Deine sehr ausführliche Beschreibung des Studienverlaufs und der Inhalte im Bachelorstudiengang „Materialdesign – Bionik und Photonik“.

Wir freuen uns, dass Du bestimmte Lehrveranstaltungen mit sehr gut bewertest und dass wir Dir die Möglichkeit geben konnten, Deinen bevorzugten Schwerpunkt im Praxissemester bzw. bei der Projektarbeit und/oder Bachelorarbeit an der HSHL zu absolvieren.

Aber offenbar haben bestimmte Lehrinhalte nicht Deinen Vorstellungen entsprochen. Schade, dass Dich insbesondere der interdisziplinäre Ansatz des Studiengangs nicht überzeugen konnte. Wie der Name „Materialdesign – Bionik und Photonik“ schon zum Ausdruck bringt, werden im Studium verschiedene Bereiche miteinander verknüpft. Dabei sind die Bereiche Bionik und Photonik nicht als alternative Themen zu verstehen, sondern sie stehen ganz bewusst in Bezug zueinander. Und dies ist, im Übrigen, auch das Besondere an der HSHL. Dabei ist die Photonik im Materialdesign ein noch recht neuer Bereich mit großen Entwicklungs- und Zukunftschancen und daher spielt sie im gesamten Studienverlauf eine Rolle.

Damit Studieninteressierte von Anbeginn relativ sicher sein können, dass ein Studiengang den eigenen Erwartungen entspricht, empfehlen wir, vor der Bewerbung oder Einschreibung in einen Studiengang umfassende Informationen über die jeweiligen Lehrinhalte einzuholen. Hier gibt das Modulhandbuch eine gute Hilfestellung mit detaillierten Beschreibungen der Module und Lehrveranstaltungen. Dieses ist auf der HSHL-Webseite beim jeweiligen Studiengang zum Download zu finden.

Mit Bezug zu Deiner Kritik, dass es keinen konsekutiven Masterstudiengang an der HSHL gibt, möchten wir gerne darauf hinweisen, dass wir verschiedene Masterstudiengänge ganz bewusst inhaltlich so gestaltet haben, dass sie für verschiedene Bachelorabsolventinnen und -absolventen geeignet sind. Sie zielen grundsätzlich auf eine Wissensverbreitung ab. So gibt es für Absolventeninnen und Absolventen von „Materialdesign – Bionik und Photonik“ die Möglichkeit, sich z. B. im Master „Product Development and Business Studies“ einzuschreiben oder in „Technical Consulting und Management“. Alle Masterstudiengänge haben einen hohen Praxisbezug und insofern bietet sich darüber die Chance, eigene inhaltliche Akzente in der Projekt- und in der Masterarbeit zu setze, ähnlich wie Du es ja schon in Deinem Bachelorstudium konntest.

Auch die Steuerungskompetenzen sind Fächer, die zusätzlich zum jeweiligen Fachwissen, die Studierenden auf die Arbeits- und Unternehmenswelt vorbereiten. Nach unserer Auffassung gehören dazu auch Grundkenntnisse in BWL sowie z. B. Fachenglisch.

Deine Anmerkungen beschreiben teils Deine subjektive Wahrnehmung, z. B. auch vom Verhalten von Kommilitoninnen und Kommilitonen oder von Lehrenden. Da das individuelle Erleben sehr unterschiedlich ist, lässt sich hier keine Einschätzung unsererseits abgeben.

Natürlich leiten wir Deinen Kommentar an die Studiengangsleitung weiter, denn uns ist eine gute Lernatmosphäre an der HSHL sehr wichtig. Gerne laden wir Dich auch zu einem individuellen Gedankenaustausch ein, denn im direkten Dialog klären sich Sachverhalte, insbesondere wenn sie kritisch gesehen werden, in aller Regel besser auf. Du kannst uns gerne eine E-Mail an info@hshl.de schreiben.

Für Deine persönliche und berufliche Entwicklung wünschen wir Dir weiterhin viel Glück und Erfolg.

Dein Team der HSHL- Hochschulkommunikation
01.09.2020

Aktuelle Bewertungen zum Studiengang

4.3
Alina , 13.05.2019 - Materialdesign - Bionik und Photonik
4.0
Lukas , 28.01.2019 - Materialdesign - Bionik und Photonik
4.7
Janina , 11.11.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
5.0
Elena , 14.09.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
3.8
Roman , 01.08.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
3.8
Selina , 24.07.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
4.3
Felix , 23.03.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
4.3
Constantin , 09.03.2018 - Materialdesign - Bionik und Photonik
2.7
Stephan , 08.05.2017 - Materialdesign - Bionik und Photonik
4.5
Alina , 30.04.2017 - Materialdesign - Bionik und Photonik

Über Joseph

  • Alter: 30-32
  • Geschlecht: Männlich
  • Abschluss: Ja
  • Studiendauer: 8 Semester
  • Studienbeginn: 2016
  • Studienform: Vollzeitstudium
  • Standort: Standort Lippstadt
  • Schulabschluss: Abitur
  • Abischnitt: 2,5
  • Weiterempfehlung: Nein
  • Geschrieben am: 30.08.2020