Kein vollwertiges Filmstudium

Design Audiovisueller Medien (B.A.)

  • Studieninhalte
    2.0
  • Dozenten
    2.0
  • Lehrveranstaltungen
    2.0
  • Ausstattung
    1.0
  • Organisation
    2.0
  • Gesamtbewertung
    1.8

Diese Rezension richtet sich an alle, die in Überlegung sind, den Teilstudiengang „Design audiovisueller Medien“ als Filmstudium anzutreten. Anhand der aktuellen Bewertungen auf der Seite habe ich das Gefühl, dass ein falscher Eindruck für diejenigen entsteht, die ein ernsthaftes Filmstudium in Wuppertal anstreben.

Zu Beginn sei erwähnt, dass der Teilstudiengang „Design audiovisueller Medien" in Wuppertal eine recht einzigartige Möglichkeit bietet. Wer Film in Deutschland an einer Hochschule studieren möchte, hat die Wahl zwischen teuren privaten Hochschulen oder den harten Aufnahmeprüfungen von staatlichen Filmhochschulen, bei denen es aufgrund der absurd hohen Bewerberzahlen zu einer starken Aussiebung kommt. Das ist und bleibt recht einzigartig. Diese Alternative ist zwar attraktiv, hat jedoch ihre Einschränkungen.

Es handelt sich hierbei nur um einen Teilstudiengang, was bedeutet, dass ein zweites Fach wie Geschichte, Anglistik oder ein weiteres künstlerisches Fach wie meist Mediendesign & Designtechnik gewählt werden muss. Dabei ist eine zusätzliche Eignungsprüfung erforderlich, um ein „Volldesign-Studium“ anzutreten, das einem Kommunikationsdesign-Studium am ähnlichsten kommt. Das fällt jedoch bei jedem sehr individuell aus, so auch der Studienalltag, je nachdem, welche Kombination aus Fächern gewählt wurde. Das Zweitfach sollte dennoch nicht zu kurz kommen, das ist meist ebenfalls mit sehr viel Aufwand verbunden.

Aus Erfahrung mit meinem Zweitfach und den meiner Kommilitonen kann ich sagen, dass es häufiger zu Überschneidungen von Kursen kam und so entschieden werden musste, welchen Kurs man für wichtiger hielt. So konnten leider gewünschte Kurse nicht gewählt werden und mussten auf ein anderes Semester verschoben werden, sodass man sich häufig nicht an den Modulplan halten konnte.

Pro Jahrgang werden 10 bis 15 Studierende aus rund 70 Bewerbungen aufgenommen. Der gesamte Teilstudiengang besteht aktuell aus knapp 40 Personen. Diese geringe Zahl fördert zwar ein gewisses Gemeinschaftsgefühl unter den Jahrgängen, führt aber auch dazu, dass Projekte am Set oft von absurd kleinen Teams von 3 – 6 Personen umgesetzt werden müssen. Dies beeinträchtigt die Qualität der Projekte meist, die häufig leider recht amateurhaft wirkten. Kaum ein Film wird nach aktuellem Stand auf Festivals gezeigt (das ist natürlich nicht nur auf die Teilnehmeranzahl am Set, sondern auf eine Kombination aus vielen Dingen zurückzuführen.) Man ist also auf Unterstützung außerhalb angewiesen. Hin und wieder entstehen dabei jedoch schöne Projekte, die auch gesehen werden - das ist jedoch leider eine Seltenheit.

Der Studiengang wird von insgesamt zwei Dozierenden geleitet. Beide haben ihre Qualitäten und sind sehr daran bemüht, sich für den Studiengang einzusetzen, doch für ein so umfassendes Medium wie Film sind zwei Dozierende schlichtweg zu wenig. Das führt häufig dazu, dass man sich mit seinem Projekt alleingelassen fühlt, insbesondere durch die nicht ausreichende Unterstützung in der Produktionsphase in der Vorlesungsfreienzeit, in der man vollkommen auf sich allein gestellt ist.

Da ein Film häufig von nur zwei Studierenden entwickelt wird, muss in der Produktionsphase der Film auch von zwei Personen geschrieben, produziert, worunter das Casting, Locationscout, Kalkulation, Technikausleihe, Kommunikation mit Schauspielern etc. gehörten und schließlich gedreht werden. Darunter ist die Postproduktion noch nicht mit einbegriffen. Zu zweit ist das häufig mit sehr viel Arbeit verbunden und vor allem für Erstsemester viel verlangt, da es wie gesagt ebenfalls noch ein Zweitfach gibt. So wünscht man sich dann doch häufig gerne, vor allem am Anfang, mehr von Lehrpersonen an die Hand genommen zu werden.

Hin und wieder werden auch externe Lehrende eingeladen, die bis jetzt gute Seminare abhielten. Beispielsweise gab es ein Produktionsseminar, da zuvor niemand – auch nicht die höheren Semester – aufgeklärt waren, wie man ein Projekt vernünftig kalkuliert. Auch ein kurzes Regieseminar zur Anleitung von Schauspielern war schön.

Häufig kommt es vor, dass Kurse von Studierenden selbst gehalten werden, was inhaltlich bis dato meist nicht sehr hilfreich war. Meist sind diese Kurse so gelehrt worden, dass man sich nach dem Abschließen des Kurses denkt, was man überhaupt gelernt haben soll, oder da die lehrenden Studierenden selbst zu wenig Fachwissen besitzen.

Das allgemeine Lehrangebot ist zwar vernünftig, meist jedoch nicht ausreichend, um ein umfangreiches Verständnis vom Filmemachen zu entwickeln, geschweige denn, um sich in bestimmte Departments zu vertiefen. Die Grundlagen, insbesondere im Drehbuchschreiben, werden vermittelt, aber wichtige Bereiche wie Sounddesign, Colorgrading, Szenenbild, Kameraarbeit, Bildgestaltung, Animationen, Lichtsetzung am Set (nicht nur im Studio), der Umgang mit Starkstrom und die Handhabung der gesamten Technik im Lager werden kaum bis gar nicht behandelt.

Vielmehr gilt das Motto „Mach du mal und mal schauen, was rauskommt“. Studierende müssen sich definitiv selbst spezialisieren und vor allem weiterbilden, meist durch praktische Arbeit am Set, durch den Austausch mit Kommilitonen oder durch eigene Weiterbildungen durch Praktika oder die Arbeit an Sets anderer Fachhochschulen.

Projekte werden von der Universität selbst nicht gefördert. Ebenso ist es nicht möglich, den eigenen Film durch Filmförderungen, wie beispielsweise die „Film- und Medienstiftung“, finanzieren zu lassen, da der Studiengang in Deutschland nicht als vollwertiger Filmstudiengang gilt.

Wer ein wenig Erfahrung im Filmbereich hat, weiß, mit welchen Problemen man dadurch konfrontiert ist:

Kurzfilme können schnell sehr teuer werden, schnell im vierstelligen, beim Bachelor auch gerne im fünfstelligen Bereich. Man muss also versuchen, den eigenen Film über städtische Kulturförderungen zu finanzieren (was jedoch immer seltener gelingt) oder auf Crowdfunding-Websites zurückgreifen, um von der Familie das Projekt finanziert zu bekommen. Falls das keine Option ist, muss man seinen Film zu 100% aus eigener Tasche zahlen, was bei meinem ersten Film zu einer finanziellen Notlage führte. Berücksichtigt man zusätzlich noch den Zweitstudiengang wie häufig Mediendesign, der durch Druckkosten ebenfalls hohe Ausgaben mit sich bringt, macht es die gesamte Situation noch schwieriger. [...]

Die technische Ausstattung des Studiengangs ist katastrophal. Aktuell reicht der Lagerbestand nicht aus, um ein Set angemessen auszustatten. Zwar sind zwei Kameras vorhanden, jedoch eine davon seit knapp einem Dreivierteljahr aufgrund eines defekten HDMI-Ausgangs im szenischen Film nicht einsetzbar:

Der Lichtbestand ist mangelhaft. Studierende mussten mit lediglich einer 300W Leuchte oder nicht dimmbarem Licht arbeiten. Dementsprechend sahen die Projekte lichttechnisch aus. Aktuell ist die Situation jedoch besser geworden, nun haben wir zwei 300W Leuchten.

Der Grip-Bereich ist ebenfalls absolut nicht ausreichend, um vernünftig zu arbeiten. Wem es was sagt: Beispielsweise 4 C-Stands, 4 Uniklemmen oder 4 Goboheads sind für ein Set deutlich zu wenig. Vor allem an Kleinigkeiten im Grip-Bereich oder an Kabeln, um effizient zu arbeiten, fehlt es massiv. So sind beispielsweise ganze Kamerasets bis dato ohne Technik von außerhalb nicht einsetzbar.

Lediglich Tontechnik ist ausreichend vorhanden, bei der jedoch immer noch zum Teil mit Technik von vor knapp 10 Jahren gelehrt wird. Auf Technikvorschläge wird zwar eingegangen, bis diese jedoch im Lager ausleihbar sind, kann schnell ein Dreivierteljahr vergehen, da es kein spezielles Personal gibt. Das dürfen studentische Hilfskräfte als Minijob nebenbei machen, sowie für die Ordnung und die Vollständigkeit sorgen.

Durch die unzureichende Ausstattung sind Studierende also auf teure Technik von Rentals außerhalb angewiesen. Und ich möchte hierbei nochmal wiederholen: Studenten sind finanziell zu 100% für Ihre Projekte selbst verantwortlich. [...]

Zusätzlich mangelt es an praktischen Seminaren für den ordnungsgemäßen Umgang mit der Technik. Vor allem neuere Studierende wissen nicht, wie sie mit der Technik vernünftig umzugehen haben, da es schlichtweg nicht beigebracht wird und so mit Technik schnell falsch umgegangen wird. Wie gesagt, lediglich die absoluten Grundlagen werden beigebracht, so auch der Umgang mit der Technik.

Zu den Räumlichkeiten: Es gibt ein großes Filmstudio mit einer Leinwand und einer Stereo-Anlage, in dem ein Großteil der Seminare durchgeführt wird. Ebenso ein kleines Filmstudio mit ähnlicher Technik. Schnitträume gibt es keine. Lediglich ein kleiner Raum, in dem ein iMac ohne Lautsprecher steht, ist vorhanden. Inwieweit das ein Schnittraum sein soll, weiß ich bis heute nicht. Tonstudios oder Colorgradingsuits sind keine vorhanden.

Seltener gibt es die Gelegenheit, an Veranstaltungen außerhalb der Universität teilzunehmen, doch wird sie leider kaum von Studenten genutzt. Wenn es dann jedoch gemacht wird, waren die Erfahrungen meist sehr positiv. Zum Beispiel bietet die Veranstaltung „Meet the Pros“ die Chance, Gäste aus der Filmindustrie kennenzulernen, die interviewt werden, oft begleitet von einer Filmvorführung.

Der Studiengang hat in der Vergangenheit auch an Exkursionen zum Kinofest in Lünen teilgenommen, wo einzelne Filme der Studierenden auf großer Leinwand gezeigt wurden. Leider wird dieses Festival nicht mehr angeboten. Dieses Jahr gab es zudem die Möglichkeit, das internationale Frauenfilmfestival zu besuchen. Abgesehen davon gibt es keine weiteren Exkursionen.

Viele dieser Probleme lassen sich leider darauf zurückführen, dass "Design audiovisueller Medien" kein Vollzeit-Filmstudium ist. Dies führt zwangsläufig zu Abstrichen, die auf Kosten der Studierenden gehen. Die Stimmung unter vielen Studierenden ist daher aktuell überwiegend von Frustration und Ernüchterung geprägt. Wie viele das Studium aktuell durchziehen, da sie sich in einem höheren Semester befinden, und nicht, weil sie wirklich Freude und Motivation an diesem Studiengang haben, mag ich mir nicht auszumalen.

So mag der Teilstudiengang Design audiovisueller Medien auf den ersten Blick ansprechend wirken. Und das mag er auch sein, insbesondere für diejenigen, die nur einen ersten Einblick in das Filmemachen bekommen möchten oder beiläufig mit Fokus auf ihrem Zweitstudiengang studieren möchten. Doch für diejenigen, die ernsthaft im Filmbereich arbeiten wollen – die Filme lieben, leidenschaftlich an Projekten arbeiten möchten und vor allem einen stetigen Anspruch an ihre Arbeiten haben – ist dieser Studiengang leider, so schade es klingen mag, nicht die richtige Wahl.

Wer also ernsthaft daran interessiert ist, sich für diesen Studiengang zu bewerben, um sich im Film zu professionalisieren, dem sei gesagt: Suche dir was anderes.

Nimm dir die Zeit und bewirb dich im Umkreis an renommierteren Hochschulen für einen vollwertigen Filmstudiengang [...]

  • Kleine Gruppen, Individuelle Feedbackkultur, frei wählbares Zweitfach
  • Standort, Technische Ausstattung, Lehrangebot, Studienalltag

Aktuelle Bewertungen zum Studiengang

1.8
Anonym , 18.02.2025 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
3.8
Joshua , 21.07.2024 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
4.3
Leander , 09.06.2024 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
5.0
Maximilian , 05.01.2024 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
3.7
Lukas , 07.05.2021 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
4.6
Lina , 23.03.2021 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
3.8
Lukas , 10.02.2020 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
5.0
Christina , 18.05.2019 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
2.7
Karl , 03.01.2019 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)
3.2
Dennis , 22.03.2018 - Design Audiovisueller Medien (B.A.)

Über Lars

  • Alter: 21-23
  • Geschlecht: Männlich
  • Abschluss: Ich studiere noch
  • Studienbeginn: 2022
  • Studienform: Kombinatorischer Studiengang
  • Standort: Campus Grifflenberg
  • Weiterempfehlung: Nein
  • Geschrieben am: 13.08.2024
  • Veröffentlicht am: 13.08.2024