Sportliche Höchstleistungen mit einer Behinderung erbringen? Dass sich diese beiden Dinge ausschließen, ist leider immer noch ein häufig verbreiteter Gedanke in unserer Gesellschaft. Dabei haben die Paralympics gerade wieder gezeigt, dass Menschen mit einem Handicap nicht nur auf Weltklasseniveau Sport treiben können, sondern noch dazu Millionen von Zuschauern inspirieren. Doch was, wenn es neben dem aktiven Leistungssport auch um die eigene Bildung geht? Sport studieren mit Behinderung, geht das überhaupt?

Sport verbindet – und das mehr denn je. Er bringt Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Religionen und körperlicher Voraussetzungen zusammen. Er fesselt, bewegt, schafft Erinnerungen, lässt Gemeinschaften entstehen. Er ist die Traumbranche zahlreicher junger Studienanfänger. Für viele Jugendliche mit Behinderung bleibt es jedoch ein Traum, weil sich ein Sportstudium und ihre körperlichen Voraussetzungen in ihrem Kopf immer noch ausschließen. Dabei hat sich die deutsche Hochschullandschaft längst weiterentwickelt.

Goalball
Eine Chance für die Inklusion: Der Paralympics-Star Goalball

Grundsätzlich gilt: Wer Sport studieren möchte, egal ob mit oder ohne Handicap, der darf das auch. Das Hochschulgesetz der Länder legt nämlich fest, dass die Hochschulen Studierende mit Behinderung bei der Wahl Ihres Studienganges und im Studienalltag selbst nicht benachteiligen dürfen. Eine Behinderung ist also kein Grund, um eine Bewerbung für einen Studienplatz im Sport abzulehnen. Sportstudiengänge sind jedoch sehr gefragt und daher an zahlreichen Universitäten mit einem aufwendigen Aufnahmeverfahren verbunden. Studieninteressierte mit Behinderung durchlaufen die Bewerbungsschritte und Auswahltests unter den gleichen Gesichtspunkten wie ihre Kommilitonen – mit einer individuellen Ausnahme.

Besteht ein Interessent mit nachgewiesener Behinderung den Sporteignungstest nämlich nicht, darf er eine Ersatzleistung mit Begleitung eines Behindertenbeauftragten durchführen. Dadurch ermitteln die Prüfer, ob der Bewerber den Test aufgrund seiner Einschränkungen oder durch mangelnde Vorbereitung nicht bestehen konnte. Wie diese Ersatzprüfungen aussehen, ist von Kandidat zu Kandidat unterschiedlich. Je nach Art der Behinderung lassen sich die Übungsform oder der zeitliche Umfang anpassen. So dürfen Studierende mit nur einer Hand statt dem Reck beispielsweise Alternativübungen am Schwebebalken durchführen.

Handbike
Bereits öfters im Sportstudium zu finden: Das Handbike

Auch im Studienalltag arbeiten die Hochschulen mehr und mehr daran, Menschen mit Behinderung das Sportstudium zu erleichtern. Sie modernisieren Trainingsgeräte oder schaffen neues Equipment wie die sogenannten Handbikes an. Um die Gemeinschaft zu stärken und das Verständnis füreinander zu schärfen, stehen Sportarten wie Blindenfußball oder Rollstuhlbasketball auf dem Lehrplan. Einige Institute wie die Sporthochschule Köln bieten sogar Sportstipendien für Schüler mit Behinderung an. Der Einsatz trägt Früchte: In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Studierenden mit Behinderung stetig gestiegen. Perfekt ist die Situation jedoch noch lange nicht, denn in Sachen Infrastruktur und Barrierefreiheit müssen viele Hochschulen erst Jahre der Versäumnisse aufholen.

Für die Kommilitonen macht es keinen Unterschied, ob jemand mit oder ohne Handicap studiert. Bei Übungen oder dem Aufbau von Geräteparcours helfen sie sich gegenseitig. Die Dozenten selbst passen ihre Praxiseinheiten auf die Teilnehmer an und geben benachteiligten Studierenden notfalls Alternativausführungen an die Hand. Da das Sportstudium jedoch sehr vielseitig und anspruchsvoll ist, empfehlen die Hochschulen die praktischen Studieninhalte mit den eigenen Einschränkungen abzugleichen.

In diesem Video siehst Du, wie Veit Schopper sein Studium mit Behinderung an der Deutschen Sporthochschule in Köln meistert.

Sport studieren heißt jedoch nicht nur den ganzen Tag auf der Tartanbahn oder in der Halle zu verbringen. Neben den Muskeln fordert es auch das Köpfchen. Und so stellen Vorlesungen im Bereich Sportökonomie oder Sportmarketing ideale Möglichkeiten dar, um in das Berufsleben abseits des praktischen Sports hinein zu schnuppern. Denn eine berufliche Anstellung in der Praxis hängt auch stark von der Art des eigenen Handicaps ab. So können beispielsweise querschnittsgelähmte Absolventen keinen Beruf als Sportlehrer anstreben, weil sie im Sportunterricht Hilfestellungen geben und im Ernstfall erste Hilfe leisten müssen. Jobs in Vermarktungsagenturen, bei Verbänden oder im Management eines Sportunternehmens stellen daher wertvolle Alternativen dar.

Du siehst, eine Behinderung sollte für niemanden eine Hürde sein, das zu studieren, was ihm Spaß macht. Deine Kommilitonen unterstützen Dich, wo sie nur können. Und auch die Hochschulen investieren vermehrt in die Infrastruktur, um den Studienalltag barrierefreier zu gestalten. Vieles mag noch nicht optimal sein, doch je mehr Menschen sich an das Sportstudium herantrauen, desto schneller sensibilisiert dies die Unis für ihre Bedürfnisse. Und wenn es dann doch mal anstrengender zugeht, denk dran: Mit viel Fleiß und dem Glauben an die eigene Stärke meisterst Du auch das schwerste Studium. Das gilt für jeden Studierenden – egal ob mit oder ohne Handicap.